Steuernews für Ärzte

Social-Media-Logo

Streitpunkt

Ewige Streitfrage. Die Frage, ob Praxisräume im eigengenutzten Haus oder der eigengenutzten Wohnung, die zusätzlich zu den vom Wohnhaus getrennten Praxisräumen für Notfälle bereit gehalten werden, als Betriebsstätte oder als häusliches Arbeitszimmer anzusehen sind, gehört zu den häufigsten Streitpunkten mit den Finanzbehörden.

Der steuerliche Hintergrund. Während Ausgaben für ein Arbeitszimmer im Privathaus oder der Privatwohnung nur noch dann steuerlich geltend gemacht werden können, wenn dieses den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet, sind Aufwendungen für eine Notfallpraxis im Privathaus – sofern diese als Betriebsstätte anzusehen ist –ohne Einschränkung absetzbar. Richtet sich ein Arzt beispielsweise im Keller seines Privathauses einen Raum dafür ein, um Patienten außerhalb der Praxiszeiten in Notfällen ärztlich zu versorgen, stellt sich also steuerlich die Frage, ob der Raum als Arbeitszimmer oder als Notfallpraxis anzusehen ist.

Ansicht des BFH. Der Bundesfinanzhof versteht in ständiger Rechtsprechung als Notfallpraxis solche Räume, “die erkennbar besonders für die Behandlung von Patienten eingerichtet und für jene leicht zugänglich sind“. In diesem Sinne hat der BFH das Vorliegen einer Notfallpraxis maßgeblich darauf gestützt, „dass die im Untergeschoss des Wohnhauses als Notfallpraxis eingerichteten Räumlichkeiten für die Patienten durch einen besonderen Eingang zugänglich waren“.

Separater Eingang. Räumlichkeiten in der Privatwohnung, die der notfallärztlichen Versorgung dienen, können daher regelmäßig als Notfallpraxen qualifiziert werden, wenn sie über einen von den Privaträumen separaten Eingang verfügen. Unschädlich ist, wenn die Praxisräume und die Privaträume über einen gemeinsamen Eingangsbereich (etwa in Form eines Windfangs) verfügen, solange der Eingangsbereich für das Notfallzimmer erkennbar von den ansonsten privat genutzten Räumlichkeiten absetzt. Weiters darf das Notfallzimmer – abgesehen von einer Tür – keine räumliche Verbindung zur Privatwohnung aufweisen – also z. B. ein Durchgangszimmer sein.

Einrichtung unerheblich. Nicht relevant hingegen ist, ob die Räumlichkeiten entsprechend einer Notfallpraxis eingerichtet sind oder mehr einem Arbeitszimmer gleichen. „Auch in den für Notfälle vorgehaltenen Räumlichkeiten wird regelmäßig der Schreibtisch ein zentrales Möbelstück darstellen und die Einrichtung im Übrigen auf die medizinisch unbedingt notwendigen Einrichtungsgegenstände begrenzt sein“, so der BFH.

Fazit. Kann der Notfallpatient einen separaten Eingang benutzen, unterliegen die Aufwendungen nicht der für Arbeitszimmer geltenden Abzugsbeschränkungen. Muss der Notfallpatient hingegen erst einen Flur oder eine Diele durchqueren, die dem Privatbereich unterfallen, fehlt es nach Ansicht des BFH „an der nach außen erkennbaren Widmung der Räumlichkeiten für den Publikumsverkehr und damit an der für die Patienten leichten Zugänglichkeit“. Die Räumlichkeiten unterliegen dann den Abzugsbeschränkungen für häusliche Arbeitszimmer.

Stand: 15. November 2007

zum Seitenanfang
Steuerberater Klaus Vossler Kesselstrasse 17 70327 Stuttgart Deutschland +4971140703060 +4971140703070 https:/www.stb-vossler.de/